Sicilia Teil 1. Non la meritano.

Sicilia Teil 1. Non la meritano.

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Wir waren im April auf Sizilien. 2 Wochen. Haben uns (fast) das ganze Land angesehen. In Kürze: Die SizilianerInnen haben dieses Land nicht verdient! Es ist ein großartiges, schönes, abwechslungsreiches, wunderbares Land mit herrlichen Küsten und einem einzigartigen historischen Erbe. Und die BewohnerInnen machen es entweder aktiv kaputt, oder lassen es versiffen. Alles was jünger als 200 Jahre ist, ist schirch, kaputt und/oder verlassen. Noch nie habe ich so viele „neue Ruinen“ gesehen wie dort. Wenn was nicht mehr genützt wird, bleibt es einfach liegen/stehen bis es verfällt. Daneben wird neu gebaut. Von Enstorgung oder gar Wiederverwertung haben die Insulaner noch nichts gehört.

Vielleicht liegt es ja – auch – am Fattalismo, ausgelöst durch die ständige Bedrohung durch den Ätna, immerhin der aktivste Vulkan Europas…

Sizilien kommt nicht von der Stelle. Hohe Arbeitslosigkeit, eine Wirtschaft die zum großen Teil noch auf Landwirtschaft basiert. Schwierige topologische Verhältnisse und die Mafia. Doch viele Probleme scheinen mir hausgemacht: Alles wird  in Plastik verkauft (das Wasser im Restaurant, jedes einzelne Gemüse am Markt, jede Feinkostware im noch so kleinen Supermarkt in einem eigenen Sackerl, das dann in ein „Übersackerl“ gepackt wird), Regeln, die zwar aufgestellt, aber nicht eingehalten werden, Mülltrennung gibt´s in einzelnen Orten, am Ende des Ortes wird allerdings wieder alles über die Böschung gekippt.

Der Tourismus könnte Sizilien beflügeln. Vieles ist noch (oder wieder) unberührt, ideal wäre der Ausbau eines sanften Tourismus… Aber plastikversaute Strände, verlassene Rostskelette am Strand und – sagen wir mal – dich übervorteilende Restaurantsbesitzer, Mietwagenverleiher Busticketverkäufer, etc… hinterlassen keinen nachhaltig guten Eindruck.

Nichtsdestotrotz ist Sizilien unbedingt sehenswert. Vor allem wer Interesse an Archeologie, Geschichte, Sakralbauten und Natur hat, darf sich die Insel nicht entgehen lassen.

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Sizilien Teil 2: Unsere Route

Sizilien Teil 2: Unsere Route

 

 

Zur Erinnerung: Wir sind vor Ostern nach Sizilien geflogen. Wir haben uns in Catania ein Auto ausgeborgt. Wir hatten einen groben Plan im Kopf und wollten und sonst treiben lassen. (@ Autovermietung: Vorsicht vor den versteckten Kosten! Wir hatten einen Selbstbehalt bei Diebstahl von € 3.000,-. Aus Angst haben wir extra € 300,- bezahlt um diesem zu entkommen! Haben über eine Plattform bei Sixt gemietet. Waren zwar dann sehr zufrieden mit unserem Opel Mocca, wobei zu zweit ein kleineres Auto durchaus gereicht hätte. Ist auch gescheiter in den schmalen Gassen der Städte. Sinnvoll ist ein Vierradantrieb bei den vielen steilen Straßen.) Da wir in der Nebensaison unterwegs waren, haben wir die Übernachtungsmöglichkeiten erst kurzfristig über Booking.com gebucht. Das hat großartig geklappt und uns dank der Bewertungen vor zu großen Enttäuschungen bewahrt!

Catania

In Catania waren wir zunächst nur 2 Tage. Die Stadt ist zwar zum Teil sehr schön, hat aber auch was Dreckiges, Anrüchiges, für mich irgendwie ein schlechtes Karma. Der so gerühmte Fischmarkt hat mich eher traurig gemacht: ein Wahnsinn, was da täglich (!) aus dem Meer geholt wird! Ein Stadtrundfahrt mit den offenen Bussen zahlt sich aus, sofern man sich nicht bescheißen lässt und nur 1 x € 10,- zahlt. Wir hatten Glück!

Siracusa

Am 2. Tag sind wir auf Landstraßen über die Berge nach Siracusa gefahren. Eine tolle, wilde, wenig kultivierte Landschaft. Scheinbar zu karg um Landwirtschaft zu betreiben. Vorbei an herzigen Dörfern wie Lentini oder Melili.

In Siracusa unbedingt in der Altstadt auf der Halbinsel Ortygia wohnen, ganz großartig! Wir waren im Hotel Gutkowski untergebracht: super Lage, ausgezeichnetes Frühstück, sehr nette, aber kleine Zimmer (also die Kategorie „Basic“). In Ortygia gibt´s wundervolle kleine Gassen, einen beeindruckenden Dom und an der Südspitze das Castello Maniace, das mit EU-Geld schön rausgeputzt wurde. (Also außen zumindest, für innen hat die Motivation dann offenbar doch nicht gereicht!)

Unbedingt auch die antiken Ausgrabungen ansehen: das griechische Theater, das römische Amphitheater, das Ohr des Dionysos und die Latomien. Auch für Archeologie-Banausen durchaus spannend.

Von Siracusa ging es weiter an die Südspitze nach Capo Passero, allerdings nur einen Abstecher. Ist ein eher heruntergekommener Ort wo – zumindest als wir dort waren – unheimlich viel Plastikmüll angespült ist. Der Strand wäre sonst sehr schön an diesem südlichsten Zipfel Italiens.

Modica, Ragusa, Noto

Über Ispica fuhren wir nach Modica. Dort hatten wir ein Zimmer am , wo wir 2 Nächte verbracht haben. Das Val die Noto, wo auch die Städtchen Ragusa und Noto liegen, ist wahrscheinlich der sehenswerteste Teil des Landes. Modica liegt links und rechts an den Berghängen. Die Hauptstraße liegt über dem verbauten Fluss! Hier macht sich der 4 x 4 bezahlt, bzw. gute Oberschenkelmuskeln wegen der vielen Stiegen. Modica wird auch die Stadt der 100 Kirchen genannt. Es gibt äußerst spektakuläre Aussichtspunkte.

Von Modica aus haben wir Ausflüge nach Noto und Ragusa unternommen – ein barockes Juwel neben dem anderen! Prächtig renoviert! Caltagirone sollte man auch nicht verpassen. Das ist die Stadt der Keramik. Straßenschilder, Hinweistafeln und sogar die großen Stiegen sind hier Porzellan-besetzt. Absolutely stunning!

Anschließend sind wir wieder Richtung Süden an die Küste gefahren. Irgendwo nahe Porto Empedocle haben wir in einem Hotel übernachtet, in dem wir die einzigen Gäste waren. Das war echt spooky! Das Frühstück war opulent nur für uns aufgebaut!

Agrigento, Valle dei Templi

In Agrigento müsst ihr jedenfalls einen ganzen Tag für das Valle dei Templi reservieren. Das ist eine riesige Ausgrabungsstätte mit extrem gut erhaltenen griechischen Tempeln, Statuen, Katakomben, und jede Mange andere historische Artefakte. Man fühlt sich wirklich zurückversetzt in die Antike. Ein großartiges Erlebnis!

Lieblingsstädtchen Cefalu

Am nächsten Tag brachen wir Richtung Norden auf. Wir durchquerten das Land, hatten Angst zu verhungern, weil in den kleinen Orten im Landesinneren nichts, aber auch gar nichts geöffnet hatte. Das vielgepriesene Enna ließen wir rechts liegen und fuhren durch die Monte Madonie an die Nordküste bis hinauf nach Cefalù. Dort zogen wir in die Casa della Nonna, eine entzückende Pension, die von 2 jungen Mädels tatsächlich im Haus der Großmutter geführt wird. In der untergehenden Sonne in der Altstadt von Cefalù genossen wir einen guten Weißwein an einem magischen Platz!

Cefalù ist wunderschön. Und der Kontrast zu Messina könnte größer kaum sein! (Messina kann man getrost auslassen. Außer einer großen Statue im Hafen und einem beeindruckendem Duomo mit Datumsuhr gibt´s dort kaum etwas Sehenswertes. Dafür viel Verkehr, Schmutz und Verfall.)

Überschätzt und überfüllt: Taormina

Wir hatten eine Reservierung in Taormina. Taormina ist so winzig, da sind günstige Unterkünfte rar. Die Villa dei Glicine ist kurz vor der Fußgängerzone und bietet auch einen Parkplatz. Der ist zwar nicht gratis, aber direkt im Hof. Wir blieben 3 Nächte in Taormina. Das war zu lang. 1/2 Tag Alstadt mit dem großartig erhaltenem griechischen Theater und 1/2 Tag Isola Bella hätten auch gereicht. Stündlich spült es Unmengen an Bustouristen in die Altstadt, die auf so einen Ansturm natürlich nicht ausgelegt ist! Und das in der Nebensaison!

Wir machten halt Ausflüge in die Umgebung. Zum Beispiel in das pittoreske „Berg-Kunstdorf“ Castelmola mit seinem Penis-Café. Haha sehr lustig, was sich Männer so ausdenken… Aber die Aussicht vom obersten Stock des Cafés ist phänomenal!

Schön langsam kamen wir zum Ende unserer Rundreise. Wir machten noch eine Tour rund um den Etna. Leider war das Wetter nicht so gut. Die Lavawüsten rundherum vermitteln aber einen guten Eindruck. Bzw. auch einige der Fotos, die im Schutzhaus hängen, wie z.B. dieses:

Am letzten Tag ging unser Flugzeug erst abends. Also hatten wir noch die Gelegenheit, ein tolle Ausstellung zu besuchen: Eine große Schau über den niederländischen Grafiker M.C. Escher.

Fazit: Sizilien ist jedenfalls eine Reise wert! (Aber nur eine.) Ich würde nicht in der Hauptreisezeit fahren. April, ist sicher die beste Zeit: Alles blüht, ist bunt und das lenkt vom teilweise sehr grindigen Zustand der Gebäude ab.) und die Sehenswürdigkeiten sind noch nicht überlaufen.

Was du hören solltest, wenn du nach Catania kommst:

https://www.youtube.com/watch?v=BJonoget6tg&list=RDBJonoget6tg#t=85

Golf auf Sizilien

Ja wir haben auch Golf auf Sizilien gespielt, aber das ist eine andere Geschichte 😉